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1.10.2004

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“DerDrache”

In der folgenden Geschichte kannst Du etwas über unser Wappen erfahren....

Der Drache

In einem Buch steht geschrieben eine Geschichte, wie sie sich vor langer Zeit zugetragen haben könnte...

Ein König, alt und grau, saß auf seinem Thron, träumend von alten Zeiten, in denen er der Drache war. In einer Zeit, da Helden noch gefragt waren und Ruhm und Ehre zu großen Taten anspornte. Als Drache zog der Alte hinweg über Land und See und ließ nichts weiter zurück als Tod und Zerstörung, Schutt und Asche. Groß war sein Reich – größer ist sein Reich nun. Alt und grau ist er geworden, und voll Bitterkeit sitzt er auf seinem Thron in den alten, vergangenen Zeiten verharrend. Nur sein Sohn blieb ihm als Anverwandter, denn der dunkle Gevatter nahm ihm seine Frau noch im Kindsbett.

So wuchs der Sohn ohne Mutter und mit einem Vater heran, der die großen Taten der Vergangenheit mehr rühmte als die Gegenwart. Nie vermochte er den König zum Erwachen zu bringen und seine Augen auf die neue Zeit zu richten. Da ward das Herz des Sohnes dunkel. Hass für den Vater umspülte seinen Sinn, und mit Gier betrachtete er den Thron des Vaters. Alt und Älter wurde der König, und sein Sohn wuchs zu einem stattlichen Mann heran, nichts Gutes hatte er im Sinn.

Eines Tages trat ein Mann zum Sohn und redete sich in sein Vertrauen. Der Thron gehöre ihm und nicht einem lebenden Toten, der mehr die Vergangenheit ehre als das Lebende zu sehen. Der nicht sehe, welch vortrefflicher Mann sein Sohn geworden sei. Nur die Eifersucht des Alten verhindere, dass der Thron an den falle, dem er eigentlich rechtmäßig zustünde. Zu neuem Glanz und Ruhm könne er als König das Land führen. So sprach der Mann und fand Gehör beim Sohn. Als er sich schließlich so das Vertrauen des Prinzen erschlichen hatte, weihte er ihn in einen schändlichen Plan ein, der von den Feinden des Königs gefasst wurde. Der Sohn solle dem König weiteren Sand in die Augen streuen, bis dieser ganz im Vergangenen verschwinde. Statt seiner solle er nun das Land regieren. Streng solle er sein und unerbittlich die Rute gegen das Volk erheben, so dass dieses laut anfange zu murren und sicherlich bald den Aufstand proben werde. Sollte dies geschehen, so soll er die Armee des Königs entsenden, um diesen niederzuschlagen. In diesem Moment, da die Burg schutzlos läge, solle er den König meucheln und sich selbst auf den Thron setzen. Die Armee des Feindes stände zur Unterstützung bereit, da er, wenn des alten Königs Generale zurück kämen, diese sicherlich gebrauchen könne.

Begeistert hörte der Sohn den Plan und gab eifrig seine Zustimmung. Aber er sah nicht die Hinterlist in des Mannes Augen, der nur zum Plan hatte, für seinen Herrn und Meister den Thron in Besitz zu nehmen und sodann den jungen, schachen Narr einfach beiseite zu schaffen. Doch dies sah der junge Prinz nicht, uns so stimmte er zu. Die Zeit ging ins Land und der Prinz verrichtete ganze Arbeit. Streng und gebeutelt ward das Land, so dass es hieß, nichts Gutes käme mehr von dort. Der Tag kam nun, da der Aufstand geprobt wurde und der Junge Prinz die gesamte Armee sandte, um diesen nieder zu schlagen.

Von all dem merkte der König nichts. Allein und verlassen saß er in tiefer Lethargie auf dem Thron und sann vergessenen Taten hinterher. Doch da geschah es, dass eine Junge Dame – eine fahrende Händlerin – vor ihm stand. Von schönem Wuchs war sie, und List blitzte in ihren Augen. Dort stand sie und flüsterte Unerhörtes in des Königs Ohren. Sie erzählte ihm von den Plänen des Prinzen und dass die Armee des Feindes bereits nahe der Grenze stände. So enthüllte sie dem König alle Details, die er bisher nicht hatte sehen wollen. Mit Engels Zungen sprach sie und der König glaubte ihr. Bittere Verzweiflung ward um des Königs Herzen, und er wußte weder ein noch aus. Doch die listige Händlerin wusste Rat: „Höre Altehrwürdiger, fliehen musst du, denn hier ist nichts mehr für dich zu tun!“

Doch wie soll ich vom Hofe fliehen? Alleine, so sprachst du, bin ich – ich alter gebrechlicher Mann! Binnen kürzester Zeit bin ich gefangen und in des Prinzen mordlüsternden Händen.“ Die Händlerin entgegnete: „Komme um Mitternacht im Gewand des zum Tor und wir nehmen dich als einen unseren mit hinaus aus der Burg. Dort werden wir deiner Armee entgegen reiten, damit du dich mit ihr vereinen kannst, um so wieder zum alten Drachen zu werden, der du einst warst.“ - Für wahr gesprochen, so soll es sein.“ So trennten sie sich, um die Flucht vorzubereiten.

Doch genau in dieser Nacht wollte es das Schicksal, dass der Sohn seinen finsteren Plan umsetzen sollte. Und so saß er auf der Lauer, als der König aus dem Gemach trat in den Gewändern des Händlers. Zorn überkam den König, als er den schon auf der Lauer liegen sah. Sein Antlitz verdunkelte sich, so dass der Sohn Angst vor des Vaters Zorn bekam, den Dolch aus der Linken fallen ließ und in Ohnmacht fiel.

Schnell nun war die Flucht aus dem Schloss, und schnell auch waren die Verfolger, denn der Prinz ließ nicht ab von seinem Plan und schickte dem König die Wache hinterher.

Ungefähr zu dieser Zeit war es nun, dass in einer ärmlichen Baroni ein edler Ritter und sein Gefolge sich zu Ross begaben, um in die östlichen Wälder zu reiten. Auf Weisung einer alten Frau, einer Heilerin, von der man sagte, sie besäße das zweite Gesicht und dass sie die Zukunft in den Sternen zu deuten wisse, gab der Baron das Zeichen zum Aufbruch. Übles sehe ich am Horizont der aufgehenden Sonne. Sattle dein Pferd, deinen Mut, und deine Kraft soll es sein, welches das Unheil für das ganze Land abzuwenden weiß und uns neue Hoffnung schenken soll.“ Mit diesen Worten im Ohr ritt der Edle nun hinaus in den Osten.

So begab es sich, dass im dunklen Wald der Edle auf den flüchtigen König und die Händlerin stieß. Sofort trat der König vor und bat den Fremden um Hilfe, denn er konnte das reine Herz in des Ritters Augen erkennen. Doch seinen Namen nannte er nicht, da ihm die schlaue Händlerin riet, sich nicht zu erkennen zu geben, um so zu testen, ob es denn wirklich ein Edler sei oder ob er auf der Seite des verdammten Thronräubers stände. Der Baron aber sah in des Königs Augen und vermochte keinen Argwohn darin zu erkennen und sprach: „Unter meinen Schutz stelle ich dich Alterchen, und niemand soll dir ein Leid zufügen, solange du an meiner Seite willst.“

So sprach er und stieß ins Horn, um die Verfolger in die Flucht zu schlagen. Furchtbar war die Schlacht um den König, doch blieb der Edle Sieger. Wie ein Löwe stürzte er sich auf den Feind. Wo immer er in den Kampf ging, stieß er ein gar fürchterliches Gebrüll aus, das bald jedem durch Mark und Bein ging und den Mut der Verfolger sinken ließ, so dass sie bald zum Rückzug bliesen. Doch schwer waren auch des Edlen Recken verwundet, so dass auch sie zum Rückzug bliesen und den langen Weg zurück zur Burg des Barons antraten.

Als sie nun durch die Lande ritten, sah der König wie arm das Land war und wie gepresst die Leute waren.Ein unwirtliches Land ist dies, durch das wir reiten.“-Unwirtlich fürwahr, aber ich kann es mein eigen nennen“, entgegnete der Baron.

Da ward der König nachdenklich, und es wunderte ihn, wie es geschehen konnte, dass solch vortreffliche Recken in solch ärmlichen Lande leben mussten. Des Königs Steuern lasten schwer auf uns. Sie lassen kaum Luft zum Atmen“, sprach der Baron. Da ward Bitternis um des Königs Herzen, und erneut verfluchte er seines Sohnes Namen, da er ihm so viel Sand in die Augen gestreut hatte.

Am Hofe angekommen kam sogleich die Weise aus dem Tor und warf sich vor dem König nieder und sprach: „Ehre wird unserem Haus zuteil, so hohe Gäste bewirten zu können.“ Sogleich fiel es wie Schuppen von den Augen des Edlen, und er warf sich vor dem König nieder und bat um Vergebung, dass er ihn nicht gleich erkannt hatte. Doch milde sprach der König: “Steh auf! Niemals wieder sollst du, dem ich mein Leben zu verdanken habe, vor mir im Staub kriechen. Wie ein Löwe hast du gekämpft, um mein Leben zu schützen vor dem üblen Thronräuber. Fürwahr steht ihr alle mir, du Händlerin mit deiner greifenhaften List, du edler Ritter mit dem Mut des Löwen und du weise Alte mit der Voraussicht des Einhorns. Lasst uns nun eintreten und Pläne schmieden, wie wir des Thrones wieder habhaft werden können.

So sprach der König und trat ein in die Hallen des Edlen. Hatte er als einsamer, alter König seine Burg verlassen, trat er nun als der wieder erstarkte Drache in die Burg eines Freundes.

Doch all der edlen Worte folgten nun nicht die Taten. So sprach man nun zu der Weisen und der Händlerin: das Kriegshandwerk sei nichts für Weibsbilder und sie sollen sich doch den Künsten widmen und den Männern ihr Handwerk lassen. Das erboste das Herz der Händlerin und sie sprach: „ War ich es nicht, die den König errettete, und war ich es nicht, die ihn warnte? Soll das nun der Dank sein, der Herd? Ich spucke auf den Namen des Königs, der mit großen Worten spricht und nur Hohn in seinen Taten wallten läßt.“

Und im Zorn wollte sie davon rauschen, um ihr Glück in andren Ländern zu finden. Doch auf halben Weg wurde sie von der Weisen eingeholt und sie sprach vom wieder aufkeimenden Unglück, in das sich die beiden stürzten und das dieser Schlacht kein Glück beschienen ist. Und es war die Weise, welche die Händlerin überzeugte, von ihrem Ärger abzurücken und die Männer aus ihrem drohenden Unheil zu erretten. Mit Engelszungen gleich redete sie auf die Händlerin ein und so gelang es ihr, bis in das große Herz der Händlerin vorzustoßenn und sie zur Errettung der Männer zu überreden. Eilig hatten sie es sodann, noch rechtzeitig auf dem Schlachtfeld anzukommen, und übel war es um die Armee des Königs bestellt, als sie denn endlich ankamen.

In boshafter Voraussicht war es dem Thronräuber gelungen, gar schreckliche Fallen aufzustellen und so die Armee des Königs empfindlich zu dezimieren. Auch dass sie in einer Burg saßen, welche noch nie von feindlichen Soldaten genommen wurde, entmutigte die Männer des Löwen und des Drachen. Als die Frauen nun sahen, wie der König in dieser Schlacht um sein Leben kämpfte und der Löwe, welcher noch nie eine Schlacht verloren hatte, auch, da ward es eisig um die Herzen derer, die es mit ansehen mussten, und groß war der Zorn, welcher in den beiden entflammte.

Nicht lange dauerte es, da stieß die Händlerin ins Horn und startete einen Angriff mit ihrer Schar von kampferprobten Händlern. Der Feind nun wähnte eine große Verstärkung für des Königs Truppen. Als sie die Händler den Berg herabsausen sahen, erfüllte Angst ihr Herz, denn so zornig war ihr Ansturm, dass Tausende wähnten, wo nur eine Handvoll war. Aus Angst zogen sie sich zurück und gaben den König und den Rest der Mannen frei.

Glücklich errettet zogen sie sich nun wieder auf das Gut des Barons zurück, doch niedergeschlagen war die Stimmung ob der verlorenen Schlacht. Aber kein Wässerchen konnte die Sicht der Heilerin trüben, denn sie sah die glänzende Zukunft der Helden. Klug sprach sie also: „Die Schlacht um den Thron haben wir verloren, da wir nicht zusammen wirkten. Aber der Sieg um den Krieg ist unser, wenn wir auf unser aller Fähigkeiten vertrauen!“ Also saß man wieder zusammen, um Kriegsrat abzuhalten. Doch dieses mal nicht auf die Kräfte der Frauen verzichtend. Hier nun schuf man den Plan, welcher in die Legenden eingehen sollte.

Nach ein paar Tagen kamen Späher zum König und berichteten ihm von der Armee, welche der Thronräuber ausgesandt hat, um seinen Vater zu vernichten. Da wurd es traurig um des Königs Herzen, da er sah, dass es seine Mannen waren, die sich gegen ihn gewandt  haben. Verführt vom Thronräuber, sahen sie nicht, dass es seine Untaten waren und nicht die des Königs, welche das Land in Unglück gestürzt hatten. Seine gesamte Armee schickte der Thronräuber und ließ so die Königsburg schutzlos zurück. Des Nachtens schlich man sich davon mit Mann und Maus, nichts weiter zurücklassend als ein paar schnelle Läufer.

An des Thronräubers Armee vorbei und zur Burg schlich man. Sie wurden nicht entdeckt, da an ihrer Spitze die Seherin ritt, welche drohende Gefahren vorhersehen konnte, dass es ihnen gelang, dem Unheil einen Schritt voraus zu sein. An der Königsburg angekommen war es nun an der Händlerin sich Zutritt zur Burg zu verschaffen, da sie immer wusste, wie man ungesehen in ein Burg gelang.

In der Burg nun waren es nur die Vier – der Drache, der Löwe, der Greif und das Einhorn, welches die Wappentiere der Verbündeten waren. Der Greif als Bild für den wandernden Schutz der Händler und das Einhorn als Symbol für die alte Magie, welche immer mehr in Vergessenheit geriet. So schlichen sie durch die Gänge hin zum Thronsaal.

Die Armee des verfeindeten Sohnes stand vor des Barons Anwesen und belagerte diese. Denn die wenigen Läufer hatten die Aufgabe des Anwesens so aussehen lassen, als sei es immer noch bewohnt. Es dauerte ein paar Stunden, bis man die List bemerkt. Sodann wurde das Haus niedergebrannt mit allem was darin war. Doch die Läufer konnten entkommen, da für ihr Flucht schon lange gesorgt war.

Es dauerte nicht lange bis die vier Helden den Thronsaal der Königsburg erreichten. Das Scharmützel, welches sich die vier mit den Wachen des Thronräuber lieferten, war nur kurz. Als sie nun endlich den Saal betraten, war ihr Zorn so groß und so heiß, dass  nichts und niemand es wagte, sich ihnen in den Weg zu stellen.

Als der Thronräuber nun des Vaters Zorn und den seiner Gefährten sah, nahm der Wahnsin von ihm Besitz. Irr kreischend suchte er sein Heil in der Flucht. Wie von Furien gehtzt führ er in den höchsten Turm und schloß sich dort ein.

Als der Löwe zur Verfolgung ansetzte, wurde er von des Drachens Hand zurück gehalten. Nicht zum Mörder an meines eigenen Fleisches und Blutes sollst du werden. An keinen von unseren Händen soll das Blut meiner Familie kleben. Im Turm soll er bleiben für den Rest seines Lebens. Das soll seine Strafe sein, und niemand soll ihn dort besucehn oder mit ihm spreche, bis er stirbt.“ So sprach der König und so ward es, dass der Turm des Verfluchten niemals geöffnet wurde. Lange hörte man noch sein Geheul vom Turm, und jeden sollte es eine Mahnung gewesen sein.

Die vier im Thronsaal sahen sich nun um, und es war der König, welcher sprach: „Viel Unrecht ist in meinem Reich passiert, und es ist meine Schuld! Es soll nun besser werden, und auf die Zukunft möchte ich von nun an mein Augenmerk richten und nicht auf die Vergangenheit. Es soll nun für alle besser werden, denn ich bin zurück, und mit mir sind meine neuen Regenten gekommen, welche fortan mit mir den Thron inne haben werden, so dass nicht einer über das Reich wachen soll, sondern vier: Der Löwe, der Greif, das Einhorn und ich – der Drache. Wir sind die Zukunft dieses Reiches!“

So sprach der König, und alle jubelten. Es begann nun eine glückliche Zeit im Reich, und von den vier Großen wurden noch viele Taten berichtet, und dem Reich ging es gut, so lange einer noch unter ihnen ward.

Und seither treffen sich jedes Jahr im Sommer die Nachfahren und veranstalten Ritterturniere zur Erinnerung an diese Zeit; dieses Jahr sind sie in Kirchhain an der Ohm.

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